Psychologen im Netz
Neue Therapiemethode für World-of-Warcraft-Süchtige
Dass Computerspiele das reale Verhalten von Personen verändern, ist noch nicht bewiesen. Eindeutig ist jedoch, dass es spielsüchtige Personen im Überfluss gibt. Grösstes Problem zur Zeit ist das Onlinegame “World of Warcraft”.
Bereits Millionen von Menschen beschäftigen sich mit „World of Warcraft“ (kurz: WoW), tausende können als süchtig bezeichnet werden.
Die Spieler erleben Abenteuer in einer ganz anderen Welt voller Zerstörung, Feindseligkeit und Teamgeist. Dabei bilden sie ihren virtuellen Charakter immer mehr aus.
Spielen ohne Ende
Die Entwickler von Blizzard Entertainment arbeiten dauernd an neuen Inhalten. Somit endet das Spiel nie. Es ist kaum möglich einfach abzuschliessen, nachdem man schon etliche Stunden investiert hat um an viel Macht zu gelangen. Hat man den einen Gegner besiegt warten schon neue Bedrohungen. Man legt dieses Spiel nicht einfach beiseite, dafür ist die Figur zu wertvoll. Da das ganze ein Onlinegame ist, können sich andere Spieler jederzeit weiterentwickeln, auch wenn der eigenen PC mal nicht läuft.
Virtuelles Kräftemessen
Die Spieler selber haben jedoch nicht das Gefühl zu viel vor dem PC zu sitzen. Zur Suchtgefahr meinen die meisten: „ Das passiert mir doch nicht“.
Die Suchtforscher sind sich einig: „Wir haben es hier nicht mit einer körperlichen Abhängigkeit zu tun, sondern vor allem mit sozialem Druck und der Attraktivität einer alternativen Realität.“
Viel Arbeit steckt hinter dem virtuellen Leben, mit dem die betroffenen Personen besser klarkommen und stärker sind als in der Realität. Sie sind abgeschirmt von den äusseren Gefahren. Ist es nicht ein schönes Gefühl die anderen Spieler mit seinen überlegenen Waffen beeindrucken zu können?
Bis zu 16 Stunden täglich
Die Gamesucht führt zu stundenlangem vor dem Computer sitzen im abgedunkelten Zimmer, bis zu 16 Stunden täglich. Somit ist ein negativer Einfluss auf das reale Leben zu erwarten. Die normalen Tätigkeiten wie Beruf, Studium, Sport, etc. werden vernachlässigt und Freunde werden stehen gelassen. Das Spiel wird zum wichtigsten im Leben. So etwas kann von einem Aussenstehenden nicht verstanden werden.
Die einfachste Art eine derartige Spielsucht zu verhindern ist natürlich gar nie anzufangen „World of Warcraft“ und ähnliches zu spielen. Für die bereits Abhängigen ist die einzige Lösung meist die Software direkt von der Festplatte zu löschen. Doch so einfach geht das in den meisten Fällen nicht.
Ambulanz für Computerspielsüchtige
Bereits zu diesem Zeitpunkt gibt es an der Universität in Mainz eine Ambulanz, die sich um die schweren Fälle der Spielsucht kümmert. Vor allem gefährdet sind männliche Personen im Alter von 16 bis 24 Jahren.
Eine neue Therapiemethode wurde kürzlich vom Psychologen Dr. Richard Graham vom Tavistock Center in London vorgestellt.
Dr. Graham versucht momentan bei Blizzard für sich und seine Mitarbeiter freie Accounts für die Spielwelt zu bekommen. Es sei die beste Methode die Süchtigen in ihrer bevorzugten Umgebung zu behandeln, da die betroffenen Teenager die meiste Zeit in ihrem Zimmer verbringen und sich vom sozialen Umfeld abschirmen. Anzeichen der Spielsucht könnten meist nicht oder erst zu spät erkannt werden, da diese Teenager nicht wie andere durch ihr asoziales Verhalten auffallen, ganz abgeschirmt von der restlichen Welt. Somit wirken die traditionellen Methoden nicht.
Spielfiguren statt weisse Kittel
Das Projekt von Graham soll Ende 2009 starten. Seine medizinischen Mitarbeiter sollen ihre eigenen Charakter anlegen und sich so unter das Spielvolk mischen. So können die betroffenen Personen direkt im Spiel betreut werden. Die Mitarbeiter sollen sich zudem mit dem Spiel vertraut machen und sich auch selber hocharbeiten, sodass sie unentdeckt bleiben. Also erstmals keine Psychologen in weissen Kitteln.
Spieler machen sich lustig
Blizzard hat dazu noch keine Stellung genommen. Ob sie so etwas überhaupt zulassen wollen ist eine andere Frage. Wieso soll Blizzard mithelfen ihre Kunden zu vertreiben?
Die Spieler zweifeln sogar jetzt schon am Nutzen dieser Methode. Sie machen sich über die Psychologen lustig. „Diese werden das Spiel und unsere Internetsprache sowieso nicht verstehen“, heisst es, „dafür müssten sie viel zu viel lernen“.



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